Samstag, 27. Februar 2010

Melbourne-Mackay: The Hard Way!

Ende Januar rief mich Constantin an. Er sei gerade in Perth und wollte mal hören, was ich so vorhätte. Constantin hatte in den letzen drei Monaten in Western Australia auf einer Farm als Erntehelfer gearbeitet und hatte nun wieder etwas Zeit und Geld um zu reisen. Wir schmiedeten kurzfristig einen tollkühnen Plan und drei Tage später holte ich ihn vom Melbourner Flughafen ab.
Ich hatte bereits für Ende Februar eine "Verabredung" mit Magnus dem Tourguide um ans Cape York zur fahren. Also entschlossen wir Constantin ein Motorrad zu organisieren und uns gemeinsam Richtung Norden auf den Weg zu machen. Nach bereits zwei Tagen mit Angeboten vergleichen, mieten oder kaufen, Kleinanzeigen studieren, kaufte Costa (sein australischer Nickname) sich seine wilde Italienerin: Eine Aprilia Pegaso 650!





Das Wochenende verbrachten wir damit die Aprilia tourentauglich zu machen und Costa Motorradklamotten zu kaufen. Am 7. Februar quälten wir uns an einem Montag aus dem melbourner Stadtverkehr heraus um durchs viktorianische Hochland gen Norden zu fahren.
Kurz nach Mittag bogen wir endlich von der Hauptstraße in den Wald ab und fuhren ein paar schöne Waldwege. Ich hielt an einem Aussichtpunkt an um ein paar Fotos zu machen. Costa kam nicht. Mit ungutem Gefühl fuhr ich den Weg zurück und fand ihn schwitzend und fluchend sein Gepäck von Motorrad abladen. Platten! Und das nach nur 5 Stunden Fahrt! Das fängt ja gut an! Wir haben ja nur noch 5000km vor uns.
Da ich nach über 26.000km auf meiner Honda noch keinen einzigen Platten hatte, sahen unsere Versuche mit den Montiereisen den Reifen von der Felge zu bekommen eher dilettantisch aus, so dass wir letzendlich die rohe bayerische Gewalt von Constantin zum Einsatz kommen ließen. Siehe Video 1 unten. Durch die Buschbrände im Jahr zuvor, waren die Bäume nicht mehr belaubt, so dass wir nur Schutz vor der Sonne in dem schmalen Schatten der Baumstämme finden konnten. Nach zwei Versuchen das Loch zu flicken, bauten wir alles wieder zusammen und entschlossen zurück zur nächst größeren Stadt zu fahren um Costa einen ordentlichen Schlauch zu kaufen. In der Bastelbude, die ein Lokaler uns als Motorradwerkstatt beschrieben hatte, saßen drei Männer auf
Klappstühlen und tranken Bier. Ein Vierter schien zu arbeiten, aber nicht für uns und nichtmal der fette Labradormischling nahm Notiz. Also demontierten wir den Reifen wieder selber, gaben dem Reifen einem Fünften, der wohl gerade vom Klo oder der Mittagspause oder beides kam, und uns die Plattfuss-Weisheit mit auf den Weg gab: "Der vordere Reifen stellt die Äste auf und mit dem Hinterreifen fährt man dann drüber und hat nen Platten." Er hatte nämlich den Übeltäter in der Reifendecke gefunden. Ein Stück Holz.













Endlich ging es weiter. Wir fuhren in den Alpine Naional Park und fanden einen fantastischen Campingplatz an einem Gebirgsfluß mit Krebsen und Forellen. Weitere Highlights der Tour waren der Totalausfall Costas Bremse, Loch im Kühler, Verlust des Gepäckträgers, eiskalter Regen, kein Sprit mehr, Erdrutsch versperrt uns den Weg, Unfall mit Wohnwagen, aber umso mehr fantastische Ausblicke, tolle Strecken und eine rundum gelungene 3 wöchige Abenteuerreise. Dazu dann ausführlich in meinem Buch. Zum Cape York sind wir nie gekommen. Durch die starken Regenfälle war alles oberhalb von Cairns gesperrt. Costa verließ mich kurz hinter Brisbane um nach Sydney zurück zu fahren und sich mit seinem Kumpel Jan zu treffen. Ich fuhr noch bis Mackay und ließ mein Motorrad dort stehen. Die Monsun Regenfälle und die vielen gesperrten Straßen überzeugten mich diese Tour auf einen anderen Zeitpunkt zu verlegen. Ich flog wieder zurück nach Melbourne, doch schon bald sollte es mit Magnus wieder Across Australia gehen. Dazu im nächsten Blogeintrag.




Montag, 25. Januar 2010

Tasmanien


Wie bereits im letzten Blogeintrag angekündigt, habe ich mich mit einer kleinen "Reisegruppe" Anfang Januar nach Tasmanien aufgemacht. Wenn man sich Tasmanien auf der Karte anschaut, sieht es im Vergleich zum Rest Australiens wie ein kleine unbedeutente Insel aus. Tasmanien "hängt" "da unten" irgendwie so dran. Die "Mainlander", also die Aussies vom Festland, halten zudem die Tasmanier für engstirnige, ungebildete und ingezüchtete Inselaffen. Na dann auf nach Tassie! Das klingt doch nach Abenteuer!
So viel schon einmal vorweg: Tasmanien ist definitv der schönste Fleck in ganz Australien. Die Menschen sind alle sehr freundlich und hilfsbereit (allerdings nicht wenn man sie auf dem Festland trifft) und die Landschaft ist einfach atemberaubend, wenn auch nicht einmalig. Neu Seeland, was auf dem gleichen Breitengrad liegt, ist sehr ähnlich.


Die Reisegruppe: Mit von der Partie waren Jeanne, Johnny und Rob.
Johnny kommt aus Melbourne und ist mit seiner kleinen Kawasaki KLR250 durch Australien gefahren. Irgendwo im Nirgendwo traf er auf die französische Backpackerin Jeanne. Sie verliebten sich in der ersten Nacht und reisten zusammen weiter, verlobten sich nach dem ersten Monat und haben direkt nach unserer Tasmanientour geheiratet...drei Monate nachdem sie sich kennengelernt hatten. Rob und ich machten aber auch kein schlechtes Pärchen... Rob hatte ich in Airlie Beach kennengelent und Dank Facebook waren wir in Kontakt geblieben. Er und Johnny hatten sich ebenfalls in Airlie kennengelernt und die Tour geplant. Rob ist Holländer, gelernter Landmaschinenmechaniker, hatte dann 10 jahre bei VW gearbeitet und musste einfach mal raus, tourte seit eineinhalb Jahren schon durch OZ. Rob bekam die gut eingefahrene Maschine von Johnny, Johnny und Jeanne fuhren auf der KLR650 von Johnnys Dad.

An das gemütliche Tempo musste ich mich erstmal gewöhnen, da ich ja gewohnt war mehr ein Rennen gegen die Zeit zu fahren. Ich kaufte mir also erstmal eine Angel und hatte auch gleich am ersten Abend "Petri Heil".

Fachsimpeln am Strand



"The Flying Dutchman"



Gas, Wasser, Schei.. Röööhrich



Warten bis das Wasser kocht.




Sobald man das Camp aufschlägt, bricht das Chaos aus.




Von links nach rechts: Rob, Jeanne, Johnny and Fred.

Da unsere Mopeds alle rot sind, nannten wir uns die RED BARONS.



Dieses Möbelstück war tatsächlich von Designstudenten hier errichtet worden.



Ready to Rock!



Ja, ich hatte mich jedesmal gewehrt, mit der Begründung, es handle sich doch um eine Motorradtour und keinen Wanderausflug. Aber wir haben dann trotzdem einige "Walks" gemacht.


 

Es hatte sich dann ja auch gelohnt.



Wieder ein Quiz: Wie viele Possums seht ihr diesmal?


 



Die Straße war gesperrt… kein Problem für uns!



Auf der Suche nach unserem Gruppennamen kam uns auch "Brokeback Biker" in den Sinn…



Keiner hat sich irgendwas gebrochen.



Port Arthur. Die ehemalige Sträflingskolonie der Briten. Port Arthur bei Wiki






Um von Port Arthur (Halbinsel) entkommen zu können, musste man über den 90m schmalen" Eagle Neck" (rechts und links Wasser) vorbei an gefährlichen Wachhunden fliehen.



Die Gefängnisruine von Prot Arthur.



Regenerative Energien. Auch hier ein Thema. Hier stürzen zig Millionen Kubikmeter Wasser den Berg hinab um unten im Tal durch Turbinen gedrückt Strom zu erzeugen.



Und sieh einer an wen ich hier treffe! Josh! Durch Zufall war er ebenfalls in Tassie unterwegs und sah mein Motorrad am Straßenrand stehen. Wie immer hatten wir Lunch zusammen, tauschten Kartenmaterial aus und fuhren dann wieder unterschiedlicher Wege. Nächstes Mal treffen wir uns übrigens in Schweden. Er wird da Architektur studieren.



Die anderen waren noch ein paar Tage länger in Tassie. Ich fuhr wieder nach Devenport zur Fähre. Auf der Rückfahrt traf ich Conny und Michi. Sie haben sich für ein Jahr Auszeit genommen und fahren nun mit ihren Ténéres einmal um die Welt. Schaut hier unter www.die-welt-ist-bunt.net





Samstag, 26. Dezember 2009

Return of the Red Rider

Anfang Dezember packte mich dann wieder das Reisefieber. Meine Honda stand noch im 3000km entfernten Airlie Beach. Da stand sie gut. Aber die Great Ocean Road sowie Tasmanien warteten schon auf mich und meine Honda. Also flog ich 10 Tage vor Weihnachten hoch um sie wieder zurück nach Melbourne zu fahren.

Meine Tour führte mich im Zick-Zack über die Great Dividing Range, ein Gebirgszug, der sich entlang der gesamten Ostküste erstreckt. Die Strecke hatte mir Magnus (der Tourguide) freundlicherweise in meine Karte eingezeichnet. Allerdings musste ich immer wieder Umwege fahren, da entweder Straßen gesperrt waren, Buschfeuer mir den Weg versperrten oder Magnus' Aufschrieb (3000km aus dem Kopf) nicht ganz mit der Wirklichkeit übereinstimmte.


So soll es sein. Einsame, kurvige Bergstraßen…


…mit fantastischem Blick ins Tal.


Die Possums wollten nachts an meine Vorräte. Quiz: Wie viele sind im Bild?


So hatte es hier 2003 nach einem Buschfeuer ausgesehen.


Und so sieht es heute aus.


Irgendwo im Nirgendwo traf ich Josh. Wir aßen zusammen Mittag, fachsimpelten und dann trennten sich unsere Wege wieder. Aber da Australien ja so klein ist, sollte ich ihn durch Zufall bald wieder treffen.


Das passiert einem, wenn man in Sydney falsch parkt.

Quiz Nr.2: Kreuze das richtige Motorrad an!



Diese Junge Asiatin wollte nicht etwa ein Foto mit ihrem Freund vor dem Opera House, sondern lieber ein Foto mit mir! Ich sah zwischen den ganzen Touris aber auch aus, wie einer, der frisch von der Mondlandung zurück ist. Man beachte ihren traditionellen Rock mit, ich würde mal sagen, formschönen Jagdmotiven. Dazu die weißen Bommeln im Lendenbereich zur Demonstration ihrer Fruchtbarkeit.



Ach? Und was ist mit Ameisenigel und Schnabeltier? Die hatten wohl keinen Platz mehr auf dem Schild.


Das ist Mathias Schmidt aus der Schweiz. Er ist seit 4 Jahren mit dem Motorrad um die ganze Welt unterwegs. Hier seine Homepage: www.globalbiking.com


Panzerfallen aus dem zweiten Weltkrieg gegen die Japaner! Allerdings befinden wir uns hier 300km im Inland! Soweit hätten sich die Aussies in die Berge zurückgezogen.


Hmm, das wichtigste auf meinen Touren: Nutella!





Das sind die verhassten Cane Toad, welche zur Bekämpfung des Zuckerrohrkäfers 1936 eingeführt worden war. Heute eine Plage und der Käfer ist auch noch da.
Da sind diese beiden Kameraden schon sympathischer. Die sind übrigens sternhagelvoll! 28 weitere Saufkumpanen ihrer Art befinden sich noch in der Tonne, die bis oben hin voll mit (halb)leeren Bierflaschen ist. Prost Jungs!